Franziskaner in Hamburg

Die Anfänge des Franziskanerordens und seine Brüder in Hamburg bis zur Reformation

von Ronald A. Wessel OFM

Die ersten Franziskanerklöster in Norddeutschland gab es: 1223 in Hildesheim, Goslar, Braunschweig, Magdeburg und Halberstadt, 1225 in Lübeck, 1229/35 in Lüneburg.
(Chronik des Jordan von Giono, 1262)

Das Hamburger Franziskanerkloster wird um 1230 entstanden sein. Graf Adolf von Schauenburg wird als „Begründer“ des Marien-Magdalenen-Klosters genannt, in dem die Franziskaner lebten.
Über den Details der Gründung des Marien-Magdalenen-Klosters aber liegt ein schwer zu durchdringendes Dunkel. Sicher ist, dass Graf Adolf IV. 1239 in dieses Kloster eintrat und später die Priesterweihe empfing. Der Grund war ein Gelübde des Grafen vor der Schlacht gegen den Dänenkönig Waldemar II. im Jahre 1227. Er gelobte am Festtag der Heiligen Maria Magdalena, er wolle aller weltlichen Dinge entsagen und in ein Kloster gehen, wenn er die Schlacht gewinne. Deswegen erhielt das Kloster ihren Namen und ihr Patronat.
Vermutlich wurden vor 1239 schon Kirche und Klausur errichtet und der Kirchhof auf ein Werder angelegt. Heute ist es der Adolphsplatz hinter dem Rathaus, wo sich die Börse befindet.

Bruderschaften, die St. Marien-Magdalena als ihre Heimat wählten – mit 15 Bruderschaften wurde sie nur noch von St. Jakobi übertroffen, die 18 zählte.
Unter den 15 waren einflussreiche Gilden und Gruppen wie die Kaufmannsgesellschaften, die der Schonen und Islandfahrer, der Brauer und Bäcker. Nicht zuletzt wurde in der Klosterkirche  in unmittelbarer Nähe des Magdalenenaltares für Rat und Bürgermeister ein eigenes Chorgestühl angebracht.
In zahlreichen Fällen – gerade von den Notleidenden der unteren Schichten wurden die Minderbrüder, wie die Franziskaner sich nannten, gebeten, Urkunden und Abschriften zu beglaubigen oder in Rechtsstreitigkeiten zu vermitteln. Hier standen sie eher auf Seiten der Armen und Schwachen als auf der Seite der Reichen und Mächtigen der Stadt.
Sie begleiteten Fischer auf See und standen den zum Tode Verurteilten bei. Das Kloster besaß auch das wichtige Privileg des Asylrechts, weil ihr Kloster auf dem Grund und Boden des Stadtherrn Graf Adolf stand. Dieses Asylrecht wurde im „Langen Rezess“ ausdrücklich 1529 noch einmal bestätigt.
Der andere Schwerpunkt der Brüder war die Krankenpflege. Schon beim Bau des ersten Klosters gab es einen Krankensaal, der bei der Vergrößerung der Klosteranlage 1314 noch einmal ausdrücklich erwähnt wird.
Die Bedeutung des Klosters in Hamburg für den Orden der Franziskaner selbst zeigt sich u.a. darin, dass hier Provinzkapitel (oberstes Entscheidungsgremium für eine Ordensprovinz)  stattfanden und 1386 und 1463 sogar Generalkapitel (Treffen und oberstes Entscheidungsgremium des Gesamtordens).


Die Rechtfertigungslehre Martin Luthers und sein Bezug auf den paulinischen Gedanken, dass die Mitglieder aufeinander angewiesen sind ( 1 Kor, 12, 12-31), veränderte diese Sichtweise völlig. Allein aus Gottes Gnade ist der Mensch durch seinen Glauben vor Gott gerechtfertigt. Er bedarf nicht der guten Werke, um die Vergebung der Sünden zu erlangen. Doch bewegt der Glaube dazu, und Gottes Wort lehrt, die Nächstenliebe zu üben.
Diese veränderte Auffassung führte in Hamburg dazu, dass auswärtige Bettler nicht mehr in die Stadt durften und das Bettelwesen stark eingeschränkt wurde.
Auch die Bettelorden (Franziskaner und Dominikaner) litten darunter, ihre Lebensgrundlage wurde ihnen genommen; denn auch sie durften ihren Lebensunterhalt nicht mehr erbetteln. Das führte zum Ende ihrer Existenz in Hamburg. Für das Kloster der Franziskaner kam der Zeitpunkt exakt 302 Jahre nach dem Gelübde Graf Adolfs am 22. Juli 1529. Der Konvent unterstellte sich dem Rat der Stadt Hamburg. Juristisch relevant wurde es allerdings erst später durch den Vertrag von 1531 zwischen den Vorstehern der Gotteskasten (Verwaltung der Sozialfonds) und dem Kloster.
Dieser Vertrag gestand jedem Klosterbewohner jährlich 20 Mk lübsch Rente auf Lebenszeit zu sowie ein Geschenk von 5 Mk lübsch, wenn er ganz den Orden verließ. Zugleich erhielten sie auch das Privileg, sich in das Hospital zum Heiligen Geist einkaufen zu können. Daraufhin  gab der Guardian des Marien-Magdalenen-Klosters, Dr. Joachim Ellerhoff, das Klostersiegel an den Rat der Stadt – behielt aber mit seiner Frau Grete, die er inzwischen geheiratet hatte, freie Wohnung in einem Haus bei der Kirche, bis er 1536 starb.
Die segensreiche Tätigkeit der Franziskaner in Hamburg war damit vorerst beendet.
Für das Jahr 1534 ist belegt, dass das St. Elisabeth-Hospital in das Marien-Magdalenen-Kloster verlegt wurde.
(Quelle: Frank Hatje „Gott zu Ehren, der Armut zum Besten“ Convent-Verlag, Hamburg 2002)

Die Franziskaner in Hamburg gehören
zur Deutschen Franziskanerprovinz,
deren Leitung ihren Sitz in München hat.